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wiki:system [2020/06/05 07:00] – Externe Bearbeitung 127.0.0.1wiki:system [2026/03/10 03:24] (aktuell) Norbert Lüdtke
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 ====== System ====== ====== System ======
-Das altgriechische //sýstema// bezeichnet etwas, das aus Teilen besteht, also ein Gebilde, etwas Verbundenes oder Zusammengestelltes. Naturphilosophisch betrachtet ist also alles System, da sich alles zerlegen lässt: Stoffe in Moleküle, Moleküle in Atome, diese in Elementarteilchen usw. Dann wäre der Begriff also weitgehend sinnlos. 
  
-Tatsächlich steht er aber für das menschliche Anliegen etwas, das er nicht versteht, zu zerlegen. Die Natur ist Natur, erst der Blick des Menschen macht daraus ein Ökosystem. Je genauer man hinschaut, desto komplexer wird es. Pflanzenkunde etwa besteht darin, eine Pflanze zu zerlegen in Wurzel, Stengel, Blatt, Blüte usw. Das lässt sich wunderbar beschreiben und führt zu einem tieferen Verständnis, der »Systematik des Pflanzenreichs«. Zerlegen ist aber immer auch ein Zerstören - man kann die Pflanze nicht mehr zusammensetzen, sie ist tot. Es muss also etwas verloren gegangen sein. Was das ist, vermag die Pflanzensystematik aber nicht zu sagen. Dem anscheinend »tieferen Verständnis« fehlt das Wesentliche.+===== Begriff =====
  
-Das **Systemdenken** ist einerseits außerordentlich fruchtbarEs ist andererseits beschränktweil es nie mehr enthält als es sich der jeweilige Anwender des Systemdenkens vorstellen kannDas System ist nicht die Wirklichkeit sondern die Vorstellung der Wirklichkeit, an die wir glauben und die wir liebgewonnen haben ((vergleichbar mit Platons [[https://gutenberg.spiegel.de/buch/politeia-4885/1|Höhlengleichnis]])). +Das altgriechische //sýstema// bezeichnet etwas, das aus Teilen besteht, also ein Gebilde, etwas Verbundenes oder ZusammengestelltesNaturphilosophisch betrachtet ist also alles Systemda sich alles zerlegen lässt: [[wiki:chemie#3Eigenarten und Stoffe|Stoffe]] in Moleküle, Moleküle in Atome, diese in Elementarteilchen usw. Dann wäre der Begriff also weitgehend sinnlos. 
 +  * Zur Begriffsgeschichte siehe [[https://begriffsgeschichte.de/doku.php/begriffe/system|ZfL »System«]]
  
-Die **»Allgemeine Systemtheorie«** im Sinne von ''Niklas Luhmann'' lässt sich auf alle Sachgebiete anwenden; eine //Systemtheorie der Technik// hat ''Günter Ropohl'' ausgearbeitet. Sie basiert auf der Vorstelllung eines »soziotechnischen Systems«, das also nicht nur auf die Technik schaut, sondern auf die Verwendung der Technik im menschlichen Handeln: +===== Methode =====
  
-  »Technik umfasst +Tatsächlich steht er aber für das menschliche Anliegen etwasdas er nicht verstehtzu zerlegen. Die Natur ist Naturerst der Blick des Menschen macht daraus ein Ökosystem. Je genauer man hinschaut, desto komplexer wird es. Pflanzenkunde etwa besteht darineine Pflanze zu zerlegen in Wurzel, Stengel, Blatt, Blüte usw. Das lässt sich wunderbar mit [[wiki:fachbegriffe|Fachbegriffen]] beschreiben und definieren und führt zu einem tieferen Verständnis, der »Systematik des Pflanzenreichs«. Zerlegen ist aber immer auch ein Zerstören - man kann die Pflanze nicht mehr zusammensetzensie ist tot. Es muss also etwas verloren gegangen sein. Was das ist, vermag die Pflanzensystematik aber nicht zu sagen. Dem anscheinend »tieferen Verständnis« fehlt das Wesentliche.
-  (a) die Menge der nutzenorientiertenkünstlichengegenständlichen Gebilde (Artefakte oder Sachsysteme), +
-  (b) die Menge menschlicher Handlungen und Einrichtungen, in denen Sachsysteme entstehen und  +
-  (c) die Menge menschlicher Handlungenin denen Sachsysteme verwendet werden.«+
  
-Die Umgangssprache neigt dazualles als System zu bezeichnen, was man nicht versteht. Besonders häufig betroffen sind »technische Systeme« - //[[wiki:antriebssysteme|Antriebssystem]], Bremssystem, [[wiki:batteriemanagementsystem|Batteriemanagementsystem]]// usw. - und deren »[[wiki:fehler|Systemfehler]]«, die eben häufig Konstruktionsfehler sind, also Denkfehler. Sehr unterhaltsam hat sich damit ''John Gall'' befasst, dessen [[wiki:Systemantics|Systemantics]] leider nicht übersetzt vorliegt ((''John Gall''\\ //The Systems Bible.\\ The Beginner's Guide to Systems Large and Small//\\ General Systemantics Press/Liberty 2003. ISBN 0-9618251-7-0 (dritte Ausgabe der 1978 erschienenen Erstausgabe //Systemantics: How Systems Really Work and How They Fail//)).  +Das **Systemdenken** ist einerseits außerordentlich fruchtbar. Es ist andererseits beschränktweil es nie mehr enthält als es sich der jeweilige Anwender des Systemdenkens vorstellen kann. Das System ist nicht die [[wiki:wahrnehmung|Wirklichkeit]] sondern die Vorstellung der Wirklichkeitan die wir glauben und die wir als liebgewonnene [[wiki:illusionen|Illusionen]] pflegen ((vergleichbar mit Platons [[https://gutenberg.spiegel.de/buch/politeia-4885/1|Höhlengleichnis]])). 
----- +
-''Niklas Luhmann'':\\  +
-1984 //Soziale Systeme// ISBN 3-518-28266-2\\  +
-1997 //Die Gesellschaft der Gesellschaft// ISBN 3-518-58240-2\\  +
-2017 //Systemtheorie der Gesellschaft// ISBN 3-518-58705-6+
  
-''Günter Ropohl''\\ //Allgemeine Systemtheorie. Einführung in transdisziplinäres Denken//\\  edition sigma, Berlin 2012, ISBN 978-3-8360-3586-6 +Der Begriff wird vielfach entwertet, weil er dazu benutzt wird, Nicht-Wissen zu verschleiern:// >>Wenn du es nicht kennst, nenne es ein System. Wenn du nicht weißt, wie es funktioniert, nenne es einen Prozess.<<// Sehr unterhaltsam hat sich damit ''John Gall'' befasst, dessen [[wiki:Systemantics|Systemantics]] leider nicht übersetzt vorliegt ((''John Gall''\\ //The Systems Bible.\\ The Beginner's Guide to Systems Large and Small//\\ General Systemantics Press/Liberty 2003. ISBN 0-9618251-7-0 (dritte Ausgabe der 1978 erschienenen Erstausgabe //Systemantics: How Systems Really Work and How They Fail//)).  
-''Günter Ropohl''\\ //Eine Systemtheorie der Technik: zur Grundlegung der Allgemeinen Technologie//. 3. Ausgabe Karlsruhe 2009+ 
 +===== Allgemeine Systemtheorie ===== 
 + 
 +Die »Allgemeine Systemtheorie« im Sinne von ''Niklas Luhmann'' lässt sich auf alle Sachgebiete anwenden. Diese stellt das rekursive Verarbeiten von Informationen in einem sich selbst organisierenden System in den Mittelpunkt. Zentrale Konzepte sind: 
 + 
 +  * Autopoiesis\\ Der Begriff aus griechisch //autos// 'selbst' und //poiesis// 'erschaffen' kennzeichnet Systeme, die sich selbst erhalten und neu erschaffen können. Autopoiesis hilft zu erklären, wie sich komplexe Systeme selbst stabilisieren. Beispiele:  
 +    * Biologische Zellen haben eine Grenze (Membran), eine innere Struktur (Stoffwechsel auf Molekülebene) und stehen im Austausch mit ihrer Umgebung derart, dass sie sich vermehren können. 
 +    * Soziale Systeme sind abgrenzbar, weisen spezifische Strukturen auf und kommunizieren mit ihrer Umgebung derart, dass sie sich vermehren können. 
 +  * Emergenz\\ Der Begriff aus lateinisch //emergere// 'auftauchen lassen' bezeichnet das Phänomen, dass ein System Eigenschaften aufweist, die dessen Bestandteile (Subsysteme) einzeln nicht aufweisen. Emergenz hilft zu erklären, wie komplexe Systeme entstehen. Beispiele: 
 +    * Das Leben ist eine emergente Eigenschaft biologischer Systeme auf der Basis chemischer Reaktionen. 
 +    * Sozialverhalten ist nur in Gemeinschaft möglich. 
 +  * Struktur – Abgeschlossenheit – Evolution\\ S-A-E hilft zu erklären, wie komplexe Systeme in ihrer Umgebung (Welt) bestehen und sich wandeln. 
 +    * Struktur 
 +    * Abgeschlossenheit\\ Innere Vorgänge funktionieren in sich geschlossen. Der Austausch mit anderen Systemen ist möglich, aber nicht immer zwingend. 
 +      * Nervensignale werden weitergeleitet und lösen chemische Vorgänge im Körper aus. 
 +    * Evolution\\ Strukturelle Kopplung mit anderen Systemen kann die Struktur des Systems verändern, und macht es möglich, sich anzupassen. 
 + 
 +===== Systemtheorie der Technik ===== 
 + 
 +Basierend auf Luhmanns Systemtheorie hat ''Günter Ropohl'' eine //Systemtheorie der Technik// ausgearbeitet. Sie basiert auf der Vorstelllung eines »[[wiki:soziotechnisches_handlungssystem|soziotechnischen Handlungssystems]]«, das also nicht nur auf die Technik schaut, sondern auf die Verwendung der [[techne|Technik]] im soziotechnischen Handeln, das auch technisches [[wissen|Wissen]] voraussetzt.  
 + 
 +  »Technik umfasst die Menge der  
 +  (a) nutzenorientierten, künstlichen, gegenständlichen Gebilde (Artefakte, Sachsysteme), 
 +  (b) menschlicher Handlungen und Einrichtungen, in denen Sachsysteme entstehen und  
 +  (c) menschlicher Handlungen, in denen Sachsysteme verwendet werden.« 
 + 
 +===== Unterwegs-sein als soziotechnisches Handlungssystem ===== 
 + 
 +Basierend auf den obigen Theorien wird hier das [[soziotechnisches_handlungssystem|Unterwegs-sein als soziotechnisches Handlungssystem]] beschrieben. 
 + 
 +===== Literatur ===== 
 + 
 +  * ''Niklas Luhmann'' 
 +    * 1984 //Soziale Systeme// ISBN 3-518-28266-2 
 +    * 1997 //Die Gesellschaft der Gesellschaft// ISBN 3-518-58240-2 
 +    * 2017 //Systemtheorie der Gesellschaft// ISBN 3-518-58705-6 
 + 
 +  * ''Günter Ropohl''\\ //Allgemeine Systemtheorie. Einführung in transdisziplinäres Denken//\\  edition sigma, Berlin 2012, ISBN 978-3-8360-3586-6 
 +  ''Günter Ropohl''\\ //Eine Systemtheorie der Technik: zur Grundlegung der Allgemeinen Technologie//.\\ 3. Ausgabe Karlsruhe 2009 
 +  * ''Horst Wolffgramm''\\ //Allgemeine Techniklehre. Elemente, Strukturen und Gesetzmäßigkeiten (Einführung in die Denk- und Arbeitsweisen der allgemeinen Techniklehre)// 633 S. 2012 [[https://dgtb.de/wp-content/uploads/2018/11/Wolffgramm-Allgemeine-Techniktheorie-klein.pdf|Online]]
  
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