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Wanderschmied
Wanderschmiede gehören zur Kategorie der »peripatetischen Gruppen« (Peripatetic People), weil sie für sesshafte Kuden arbeiten. Leben und arbeiten müssen sie aber dort, wo ihre Rohstoffe (Erz, Holz, Wasser) in ausreichenden Mengen vorkommen.
Technisch ist das Schmieden kategorisiert als metallverarbeitendes Fertigungsverfahren der Umformtechnik, primäre Werkzeuge sind Hammer, Zange und Amboß.
- Edelmetalle können in reiner Form gefunden werden, insbesondere Kupfer (wtwa 700 mal häufiger als Gold), Silber, etwa 20mal häufiger als Gold. Kupfer- und Silberschmiede dürften daher die ersten Schmiedetechniken entwickelt haben.
- Legierungen, also Mischungen von Metallen wie etwa Messing (Kupfer mit Zink) oder Bronze (Kupfer mit Zinn) setzen Schmelzverfahren (Holzkohle) voraus.
- Eisen ist als Meteoreisen vereinzelt und zufällig, mehr oder weniger rein zu finden. Anders als die Edelmetalle muss es hoch erhitzt werden, damit es formbar wird. Reines Eisen ist zudem spröde. Seine Eigenschaften hängen wesentlich von Beigaben anderer Elemente (Kohlenstoff, Phosphor …) in bestimmten Mengen ab. Terrestrisches Eisen setzte sich als Rohstoff für Gusseisen und Stahl und damit für die Herstellung von Werkzeugen (z.B. Sensen) und Waffen (Axt) ab etwa 700/800 BC zwischen Levante und Nordeuropa zunehmend durch und löste Meteoreisen ab. → Eisen und Stahl
Raseneisenerz- und Holzvorkommen sowie Wasser finden sich insbesondere in den feuchten und sumpfigen Niederungsgebieten des nördlichen Europa westlich des Rheins und nördlich der Donau. Sobald die oberflächennahen Raseneisenerzvorkommen verarbeitet sind, muss der Schmied zum nächsten Vorkommen weiterziehen. Die Eisenverhüttung mit Rennöfen ab etwa 500 BC ging von diesem Großraum aus. Wanderschmiede ermöglichten den Know-How-Transfer.
Literatur
Markolf Brumlich
Schmiedegräber der älteren vorrömischen Eisenzeit in Norddeutschland.
Ethnogr.-Arch. Zeitschr. 46.2, 2005, 189-220Markolf Brumlich
Germanische Schmiede bei Geisendorf?
Ausgrabungen im Niederlausitzer Braunkohlenrevier 2007
Arbeitsber. Bodendenkmalpfl. Brandenburg 20 (Wünsdorf 2008) 205-211.Eliade, Mircea
Schmiede und Alchemisten.
Mythos und Magie der Machbarkeit.
Aus d. Franz. von Emma von Pelet. 249 S. Stuttgart Klett 1960.Robert Eisler
Die kenitischen Weihinschriften der Hyksoszeit im Bergbaugebiet der Sinaihalbinsel und einige andere unerkannte Alphabetdenkmäler aus der Zeit der XII. bis XVII. Dynastie
Eine Schrift- und Kulturgeschichtliche Untersuchung. Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg 1919, S. 74
Ein Wortumfeld für Schmiede und Eselnomaden.Siegbert Hummel
Der Göttliche Schmied in Tibet
Folklore Studies, 19 (1960) 251-272.Lehnhardt, Enrico
Die Anfänge der Eisenverhüttung im Bereich der Przeworsk-Kultur.
404 Seiten Diss. Freie Universität Berlin 2016. Berlin Edition Topoi 2019
s. insbes. 2.1.6 Zur Diffusion der Eisenverhüttung; 2.2 Frühes Eisen – Modellregionen; 2.2.7 Ergebnis und Diskussion; 5 Überlegungen zum Technologietransfer in die Przeworsk-Kultur > Der Technologietransfer der Eisenverhüttung ging wahrscheinlich vom elbgermanischen und südskandinavischen Raum aus. Abb. 396 Aus der Literatur erschließbare Fundstellen mit Eisenverhüttung des 5.–1. Jh. v. Chr.; Abb. 405 Schematische Darstellung der Austausch-, Handels- und kulturellen Beziehungen in der frühen Eisenzeit (Metalle, Bernstein, Salz über Bernsteinstraße und Schwarzmeerroute)Nieling, Jens
Die Einführung der Eisentechnologie in Südkaukasien und Ostanatolien während der Spätbronze- und Früheisenzeit
Diss. Tübingen 2009. (=Black Sea Studies, 10) Aarhus: UniversitetsforlagetPreßlinger, H., Eibner, C.
Phosphorlegierter keltischer Stahl – hart, zäh und korrosionsbeständig
Berg Huettenmaenn Monatsh 154, 534 (2009). https://doi.org/10.1007/s00501-009-0512-8Ruben, Walter: Eisenschmiede und Dämonen in Indien. Ergebnisse einer Reise, die mit Unterstützung des Forschungs-Institutes für Kulturmorphologie in Frankfurt a.M. und des Türkischen Unterrichtsministerium durchgeführt wurde. Mit 60 Abb. auf 33 Taf. XX, 306 S. Leiden 1939: Brill.- YALÇIN, Ü. (2005)
Zum Eisen der Hethiter
In: Ü. Yalçın, C. Pulak & R. Slotta (Hrsg.): Das Schiff von Uluburun - Welthandel vor 3000 Jahren, Ausstellungskatalog, Bochum 2005, S. 493-502
