Inhaltsverzeichnis

Zeitleiste des Seeweges nach Asien südöstlich um Afrika

Vorgeschichte

Ägyptisches Unterwegs-sein

Unterwegs im antiken Mediterraneum: Phönizier

Die griechisch-römische Antike am Indischen Ozean:

Die islamische Expansion ab dem 7./8. Jahrhundert nach Christus und die feindliche Begegnung beider Religionen führte dazu, dass europäische (christliche) Händler und Reisende schwierig bis gar nicht das nördliche Afrika, Vorderasien oder Zentralasien durchqueren konnten. Nach dem völligen Rückzug der Ritterorden aus dem Heiligen Land 1291 und mit der türkischen Expansion bis zur Eroberung von Byzanz 1453 schlossen sich mehr und mehr Wege im Raum des östlichen Mittelmeeres.

Aus arabischer Sicht öffneten sich Wege zum Atlantik. Berichte arabischer Seefahrer, die von der iberischen Halbinsel aufbrachen, finden sich bei Al-Masudi (10. Jh.) und Al-Idrisi (12. Jh.), Al-Bakri (11. Jh.) enthält geografisches Wissen darüber, → Zeitleiste arabischer Reisender

Die Zwischenhändler aus Venedig, Genua und anderen italienischen Seerepubliken bewahrten sich ihre Verbindungen nach Kairo, Istanbul und zur Levante aus byzantinischer Zeit. Dass dennoch alternative Seewege nach Indien im Blick waren, zeigen zwar die Fahrten der Vivaldi-Brüder 1291 und von Lancelotto Malocello 1339, → Synopse, jedoch blieben diese folgenlos.

Die iberischen Mächte (Portugal, Katalonien, Kastilien) schufen sich dagegen durch die Reconquista neue Möglichkeiten über den weithin unbekannten Atlantik. Dabei war Portugal durch seine Lage im Vorteil, auch weil die Straße von Gibraltar als schwierig galt. Die meist unbewohnten Inseln vor der afrikanischen Küste wurden zu sicheren Trittsteinen für Versorgung und Rückzug. Afrika hat jedoch weniger Inseln und Halbinseln als alle anderen Kontinente. Zwischen Annobon im im Golf von Guinea und dem Kap der guten Hoffnung gibt es keine geeigneten Inseln mehr, zudem sind die Küsten südlich von Angola als ungastlich so wie etwa die Skelettküste in Namibia. Für die Etappen entlang der Route siehe die Zeitleiste portugiesischer Fahrten.

Möglichkeiten aus heutiger Sicht

Natürliche Grenzen und Sigularitäten

Die portugiesischen Fahrten entlang der afrikanischen Atlantikküste veränderten die Schiffsbauten. Die geruderten Galeonen des Mittelmeeres erwiesen sich als nachteilig; es entstanden sukzessive verschiedenen Arten von Karavellen mit ein, zwei und schließlich drei Masten sowie unterschiedlichen Betakelung.

Die Routenplanung wird daher wesentlich durch Kaps und Buchten, durch Inseln und Flussmündungen bestimmt worden, bevor man die jahreszeitlichen Systeme der vorherrschenden Windrichtungen und die hydrographischen Eigenschaften des Atlantik verstanden hatte.

Ab dem 14. Jahrhundert

Genua 1291: Vivaldi

Vier Dokumente enthalten Informationen über diese Fahrt.

Genua 1339: Lancelotto Malocello

Lanzarotto Malocello (=Lancelotto, = Lancellotto; lat. Lanzarotus Marocelus; franz. Lancelot Maloisel, port.Lançarote da Franca; * 1270 in Varazze/Ligurien–1336 Genua)

Portugal 1341: da Recco

1341 schickte der portugiesische König Alfonso IV. Schiffe zur Erkundung, über die ein lateinischer Text von Giovanni Boccaccio in seiner Sammlung „De Canaria et insulis reliquis ultra Hispaniam in Oceano noviter arters“ um 1342 vorliegt, auf der Basis von Briefen, die Kaufleute aus Florenz in Sevilla geschrieben haben, welche sich wiederum auf Niccolò de Recco als Augenzeugen berufen, dessen Fahrt im Juli begann und viereinhalb Monate dauerte. Darin heißt es, dass Niccolò (=Niccoloso) da Recco aus Genua und der Florentiner Angiolino del Tegghia de' Corbizzi an einer Erkundungsfahrt teilgenommen hätten, die von von Portugal veranlasst worden sei. In diesem Bericht von da Recco finden sich auch die ersten Belege für Begriffe der Guanchensprache. Die darin genannte Entfernung von 1300 Kilometern von Sevilla zu den Inseln ist präzise. Die Kaufleute interessieren sich für den roten Farbstoff der Drachenbäume und andere Handelswaren.

Mallorca 1342 : Francesc Desvalers

=Francisco des Valers

Am 16. April 1342 ermächtigt Roger de Rovenach als Stellvertreter des mallorkinischen Königs Jaume III. den Mallorquiner Francesc Desvalers und dessen Geschäftspartner die „neuerdings entdeckten“ (noveylament trobades) Inseln für den König einzunehmen. Die Fahrt erfolgt mit den Koggen Santa Creu und Santa Magdalena. Bis Oktober kommt Desvalers wieder zurück, über die Ergebnisse ist nichts bekannt. Drei weitere Expeditionen waren in dieser Zeit von anderen Unternehmern geplant, jedoch ist darüber weiter nichts bekannt: Bernat Valls mit der Santa Barbara, Domingo Gual mit der Sant Joan sowie Guillem Pere (Ulbrich 87–92).

1344 übertrug der Papst Clemens VI. die Kanarischen Inseln dem französisch-spanischen Prinzen Louis de la Cerda, der 1348 starb und niemals auf den Kanarischen Inseln war. Der portugiesische König Alfons VI. protestierte und berief sich auf die Fahrt von 1341.

Katalonien 1346: Jaume Ferrer

1346 Jaume Ferrer, geboren auf Mallorca, Nachkomme von Genuesen, segelt mit einem eigenen Schiff Richtung Westafrika. Über die Ergebnisse ist wenig bekannt:

Literatur zur Entdeckung der Kanarischen Inseln

Literatur

Ab dem 15. Jahrhundert

Heinrich der Seefahrer (1394–1460) portugiesisch Dom Henrique de Avis, 'O Navegador' förderte die systematische Erforschung der afrikanischen Westküste; er selbst unternahm keine wesentlichen Reisen. Er war Prinz, doch wurde sein ältester Bruder König und nach dessen Tod der zweitälteste. Sein Neffe Alfons V. (1432−1481) trug den Beinamen 'der Afrikaner' (O Africano).

Inseln, zumal unbewohnte, wurden als Hafen, Stützpunkt, Umschlagplatz für Waren genutzt. Diese waren für Schiffe anderer Nationen gesperrt.
Zeitleiste auf dem Landweg nach Indien

Spanien 1402: Béthencourt & la Salle

Die Franzosen Jean de Béthencourt (1362-1425) und Gadifer de la Salle (1355-1422) erobern 1402 die Kanaren für die kastilische Krone.

Portugal 1415: Ceuta

Am 21. August 1415 wird das arabisch kontrollierte Ceuta gegenüber von Gibraltar vom portugiesischen König Joao, seinen drei Söhnen, darunter Heinrich, rund 20.000 Soldaten mit mehr als 200 Schiffen nach etwa sechsjähriger Vorbereitung erobert.

Portugal 1418−1420: Wiederentdeckung Madeira

1418−20 wurde Madeira wieder entdeckt.
Bereits in der griechischen Antike mehrfach erwähnt; nach Diodor 1) haben die Phönizier Madeira im 6. Jahrhundert BC entdeckt. Die Insel Atlantis und die Purpurinseln bei Plinius dem dem Älteren 2) werden mit Madeira gedeutet. Erythia `Rotland´ und Paena bei Claudius Ptolemäus sind Madeira und Porto Santo, die kleinere Insel.
Im Libro del Conocimiento (1348-1349) heißen die Inseln Leiname, Diserta und Puerto Santo 3). 1351 werden auf der Medici-Karte Porto Séo, Deserta und Isola de Lolegname an deren Stelle gezeigt. Die zu Madeira gehörigen, kleinen und unbewohnten Inselchen Ilhas Desertas und Ilhas Selvagens heißen auch heute noch so.
Italienisches legname bedeutet `Holz´ ebenso wie portugiesisches madeira.
Die ersten namentlich bekannten Entdecker/Navigatoren sind 1419 der portugiesische Seefahrer João Gonçalves Zarco, Tristão Vaz Teixeira und Bartolomeu Perestrelo, danach begann die Besiedlung Madeiras. Da die Insel zum afrikanischen Kontinent gehört, ist es die erste nachhaltige Siedlung europäischer Siedler außerhalb Europas.

Portugal 1427: Wiederentdeckung Azoren

1427 wurden die Azoren wieder entdeckt.
Gesichert ist, dass zwischen 700 und 850 n. Chr. Menschen auf den Azoren wohnten; DNA-Analysen verweisen auf die Herkunft aus Norwegen.
Die Fakten zu dem angeblichen Münzfund von 1749 und den angeblichen karthagischen Münzen aus dem 4./3. Jahrhundert BC hat Humboldt bereits ausführlich erörtert 4) - sie sind kaum aussagekräftig.
Die Azoren sind erstmals im Medici-Atlas von 1351 und im Atlas Catalan von 1375 als neun Inseln in drei Gruppen dargestellt worden. Von Heinrich dem Seefahrer beauftragt, segelte Diogo de Silves 1427 auf die Azoren und nahm sie für Portugal in Besitz, 1431−1432 und 1452 folgen Gonçalo Velho Cabral und Diogo de Teive.

Portugal 1422?: Cabo de Não

= Kap Nun, Cape Nun, Cap Noun, Cape Chaunar, Cap Uarsig, an der afrikanischen Atlantikküste zwischen Tarfaya and Sidi Ifni im Süden des heutigen Marokko. Luftlinienentfernung von Lagos (Algarve, Portugal) zum Kap Nun rund 700 Kilometer in südlicher Richtung.

1422 sollen portugiesische Seefahrer erstmals das Kap Nun (portugiesisch Cabo de Não) an der marokkanischen Atlantikküste südlich von Agadir in südlicher Richtung umschifft haben und zurückgekehrt sein, dabei sind die Mündungen des Oued Noun und des Oued Gueder zu passieren. Die Schiffe der Muslime in der Zeit davor “… were going to the very top of Wadi Sus, now Agadir, and trading regularly. But they had no reason to go further, because the Sahara caravan roads provided the necessary connections. The shores south of Wadi Draa were considered very dangerous. The expeditions to the south of Nul-Lamta, Azuqqi, in the eastern part of Cape Juby, were also dangerous and unprofitable„ (Nicolle, David: The Portuguese in the Age of Discovery c.1340-1665. 48 S. Oxford 2012: Osprey)

Portugal 1434?: Cabo Bojador

=Kap/Cape Bojador, arab. رأس بوجادور, Rās Būjādūr an der afrikanischen Atlantikküste im Raum der heutigen West-Sahara (vormals Spanisch-Sahara). Segelentfernung (Luftlinie) vom Kap Nun rund 500 Kilometer mit dem Kanarenstrom in südwestlicher Richtung. Hier wird auch der nördliche Wendekreis „Wendekreis des Krebses“ passiert, an dem die Somme am 21. Juni im Zenit steht.

Portugal 1441: Cabo Blanco

Nouadhibou, رأس نواذيبو, Halbinsel an der afrikanischen Atlantikküste, etwa 200 Kilometer südlich von Kap Bojador, zwischen Mauritanien und der West-Sahara. Direkte Segelentfernung vom Kap Bojador rund 400 Kilometer mit dem Kanarenstrom in südwestlicher Richtung.

Portugal 1443: Arguim (Insel)

Direkte Segelentfernung vom Cabo Blanco rund 100 Kilometer in südöstlicher Richtung.

Portugal 1443: Cabo Verde (Halbinsel)

Das Kap Verde, Cap-Vert, Kap Weert ist eine Halbinsel an der afrikanischen Atlantikküste, auf der die Hauptstadt Dakar des Senegal liegt. Direkte Segelentfernung vom Cabo Blanco beträgt rund 800 Kilometer in meist südlicher Richtung.

Portugal 1445: Cabo Verde (Inselgruppe)

570 Kilometer östlich des namengebenden Kaps liegen die Kapverden.

Portugal 1455: Gambia (Fluss)

Direkte Segelentfernung vom Cap Vert zum Gambiafluss beträgt rund 170 Kilometer in südöstlicher Richtung bei sich abschwächendem Kanarenstrom .

1455
erließ Papst Nikolaus V. die Bulle Romanus Pontifex, welche die ältere Bulle Dum diversas ergänzte. Grob zusammengefasst übertrug der Papst damit dem portugiesischen König Alfons V. 'der Afrikaner' (1432–1481), dessen Nachfolgern sowie dem Infanten Heinrich 'dem Seefahrer', das alleinige Recht auf die bisher erworbenen Gebiete in Afrika sowie alle neu entdeckten Gebiete südlich von Kap Bojador. Verbunden damit war das Recht alle Heiden zu versklaven und sich deren Besitz anzueignen. Zeichen der Aneignung waren die Padrões ('Portugiesenkreuze').

Portugal 1460: Cape Sierra Leone

= Cape Sierra Leone, Cape Ledo (Liedo), Cape Tagrin, True Cape. Die direkte Segelentfernung von der Mündung des Gambia bei Banjul zum Cape Sierra Leone bei Freetown beträgt rund 700 Kilometer Süd-Südost, die Nordost-Passatwinde kommen vorwiegend aus nördlichen bis nordöstlichen Richtungen.

Pedro de Sintra (aus Lagos?, † um 1484 in Guinea?), möglicherweise Sohn de Gonçalo de Sintra († 1444 auf der Insel Naar, = Tider), Navigator unter Heinrich dem Seefahrers, der genannt) starb.

„The last-mentioned point is a low, narrow neck of land, running out into the sea, and is called Cape Sierra Leone ; in old charts it is often named Cape Ledo (Liedo) or Cape Tagrin. It is sometimes also called the True Cape, to distinguish it from a projecting high land, about five miles to the ward, called the False Cape, which is frequently mistaken for the former. The breadth of the river, taken from Leopard's island, to the cape Sierra Leone, is about fifteen miles; from this it gradually decreases until it reaches St. George's Bay, about six miles above the cape, where it does not exceed six or seven miles.“
S. 14–15 in: Thomas Winterbottom
Account of the native Africans in the neighbourhood of Sierra Leone
to which is added an account of the present state of medicine among them by Thomas Winterbottom Band 1 London 1803: Hatchard. Online

Portugal 1460: Cabo Mesurado & Cabo Monte

Cabo Mesurado (bei Sintra), =Capo Cortese (bei Cadamosto), = Cape Montserrado bei der heutigen Hauptstadt Monrovia von Liberia an der Mündung des Saint Paul River, möglicherweise benannt im Unterschied zum höheren Cabo Monte bei Robertsport, Carbo de Monte (Sintra), = Cape Mount. Das heutige Liberia erstreckt sich zwischen Cape Mount im Nordwesten und Cape Palmas im Südosten.

Portugal 1462: Bijagós-Archipel vor Guinea-Bissau

Das Archipel mit rund 88 Inseln vor Guinea-Bissau ist aus dem Mündungsdelta der Flüsse Geba und Grande de Buba.

Portugal 1471: Ghana

Cabo tres Puntas,= Cape Three Points (=heute zu Princes Town, Ghana)
Die kleine Halbinsel bildet den südlichsten Ort Ghanas und markiert die westliche Grenze des Golfs von Benin. 570 km entfernt liegt im Atlantik der Punkt (keine wirkliche Insel) Null Island mit den Koordinaten 0° N und 0° E.
Die Segelentfernung (Luftlinie) von der Mündung des Gambiaflusses bei Banjul zum Cabo tres Puntas (Ghana) beträgt knapp 2.000 Kilometer in südöstlicher, zuletzt östlicher Richtung. Bis Guinea-Bissau unterstützt der Kanarenstrom die Fahrt in südlicher Richtung, dann überwiegt der Guinea-Strom in Richtung Ost-Südost. Der vorherrschende Wind Nordost-Passat (Harmattan) bläst vorwiegend aus Südwest bis West.

Portugal 1471: Äquator, São Tomé, Annobón, Príncipe

Portugal 1486: Cabo Fria

=Cape Fria, heute im Skeleton Coast National Park von Namibia, etwa 200 Kilometer südlich der angloanischen Grenze.

Portugal 1488: Cap Agulhas

Portugal 1498: Indien

Die Inseln im Indischen Ozean

Die Entdeckungsgeschichte der Maskarenen östlich von Madagaskar (die Inselgruppe um Reunion und Mauritius) ist nicht eindeutig dokumentiert. 1503/1507 segelte der Portugiese Diogo Fernandes Pereira (15./16. Jh.) in diesem Raum, ihm folgten Diogo Lopes de Sequeira (1465–1530) und Rodrigues 1509. Wer wann welche Insel gesichtet und betreten hat, ist spekulativ. Nach Dom Pedro Mascarenhas (1480–1555) sind die Inseln benannt. 5)

Ab dem 16. Jahrhundert


Ab dem 17. Jahrhundert

Literatur

1)
5,19–20
2)
Naturalis historia, 6,36
3)
Libro del conosçimiento de todos los rregnos et tierras et señoríos que son por el mundo, et de las señales et armas que han. Institución 280 S. Faksimile Zaragoza 1999: Fernando El Católico
4)
Alexander von Humboldt
Kritische Untersuchungen über die historische Entwickelung der geographischen Kenntnisse von der Neuen Welt und die Fortschritte der nautischen Astronomie in dem 15ten und 16ten Jahrhundert.
Band 1. Berlin 1852: Nicolai S. 434, 455-456 Online
5)
Moriarty, Cpt. H.A.
Islands in the southern Indian Ocean westward of Longitude 80 degrees east, including Madagascar.
London 1891: Great Britain Hydrographic Office
6)
Tabuteau, Jacques
Histoire de la justice dans les Mascareignes.
Paris 1987: Océan éditions. S. 13
7)
zit. nach Karl Andree 1843, Band 1, XXIII: Deutsche Reisende der neuern Zeit; ebenso Beckmann 1.2, S. 238