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Reisegepäck

Das Geheimnis der Beweglichkeit ist es, frei zu sein von jeglicher Last. Dem entgegen stehen das Bedürfnis nach Sicherheit und der Wunsch nach etwas Bequemlichkeit. Was man dafür glaubt zu brauchen, muss ins Gepäck passen. Bereits alte Reisesprichwörter verweisen auf das Gepäck als Last und Lust als Sack und Pack: »Der reist frey in alle landt, der nichts im beutel, nichts in der handt.«, aber auch: »Eines Reisenden schwerste Bürde ist ein leerer Beutel.« Ohne ein Lasttier und ohne Fahrzeug bleibt für die Last nur der eigene Rücken. Das ist uns angeboren, denn ohne aufrechten Gang (mit dem Stab als Stütze) kann der Mensch nicht tragen (mit dem Beutel als Last) und so war der *Homo sapiens seit je auch ein Homo portans, der auch seine Tragetechniken ständig optimierte und anpasste. Die ursprünglichsten Behälter waren Körbe 1) und Netze, die auf dem Kopf oder mit Bändern getragen wurden. Kombinationen aus Beutel, Sack, Stab und Rad erweiterten die Tragemöglichkeiten.

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Gepäck
Reisegepäck
Träger

Kriterien zur Auswahl

Die Kataloge mit Reise-Ausrüstung umfassen mehrere hundert Seiten; Ausrüsterläden präsentieren Materialien auf mehreren tausend Quadratmetern. Doch wer sein Reisegepäck unter erschwerten Bedingungen tragen muss, benötigt keinen Ballast. Von Bergführern bekommt man zu hören: »Unter schwersten Umständen muss Dein Rucksack leer sein, weil Du alles im Einsatz hast.«

Ein Rucksack sollte nicht mehr wiegen als etwa ein Viertel des eigenen Körpergewichts - das ist schon schwer. Mehr zu tragen erfordert langes Training und eine gute Rucksackqualität. Radfahrer und Motorradfahrer müssen sich ebenso einschränken. Wer jedoch mit einem Fahrzeug reist, neigt schnell zum Immermehrismus.

Muss: Trinken, Essen (Proviant), Schlafen, Wärme und Gesundheit müssen als Grundbedürfnisse garantiert sein. In Städten und auf dem Dorf gelingt das meist mit Geld, Dokumenten und Informationen. Outdoor & Offroad wird es schwieriger - man muss alles mitnehmen. Autarkie für bestimmte Zeiträume und klimatische Besonderheiten muss geplant werden. Zudem werden die Grundbedürfnisse erweitert um Orientierung und Mobilität - beides muss gewährleistet sein oder man findet sich in einer Survival-Situation wieder.

Kann: Die gewissen Extras, etwas Luxus, bequeme Hilfsmittel, Unterhaltsames, Genussmittel - eben alles, was schön ist oder Spass macht.

»If in doubt, take it out«

Kriterien minimalistisch maximalistisch
Belastbarkeit Leichte Kunstfaserbeutel,
-taschen, -säcke
Seesack, -kiste,
Schalenkoffer, Alu-Trolley
bekannte Hersteller Rimowa (Alu-Trolleys) seit 1898,
Samsonite (Schalenkoffer) seit 1910
Aussehen Gebrauchsspuren, Unauffälligkeit Alleinstellungsmerkmal
(Edel-/Modemarken, Vintageprodukte)
Transporthilfe Taschen und Beutel
mit Trageschlaufen
Tragegestell (Rucksäcke),
Rollen (z.B. Trolley),
bekannte Hersteller Eastpak (Trolleys) seit 1952
Volumen Bordgepäckgröße Schrankkoffer
bekannte Hersteller 1964 Moritz Mädler/Lufthansa
(Bord-Case)
Goyard seit 1792, Mädler seit 1850,
Louis Vitton seit 1854, Watajoy Clipper luggage
Gewicht Leichte Kunstfasern Canvas u. ähnliche Textilien,
Metallbeschläge, Holz, Leder

Querverweise

Literatur

Die technischen Mittel des Reisens - Tragehilfen ebenso wie Gepäck - sind uns alltäglich vor Augen und bleiben wegen ihrer Selbstverständlichkeit weitgehend unbeachtet; auch der akademische Blick schweift meist darüber hinweg. Volkskunde und europäische Ethnologie bieten kaum systematische Ansätze zu diesem Themenfeld:

1)
Der aus Rohr (canna) geflochtene Korb wurde lat. canistrum und griech. kánastron (κάναστρον) genannt und bezeichnet heute im Deutschen als Kanister einen Flüssigkeitsbehälter.